Heinrich Gleißner

Jurist und Politiker. Landeshauptmann von Oberösterreich.

* 1893    † 1984

 

Studierter Jurist

Nach seiner Matura am Humanistischen Gymnasium auf der Spittelwiese in Linz, die er 1912 mit Auszeichnung bestand, studierte Heinrich Gleißner Rechtswissenschaften an der Karls-Universität in Prag. 1914 wurde er Soldat in einem Infanterieregiment der Tiroler Kaiserschützen. Nach einem Jahr Kriegsgefangenschaft setzte er 1919 sein Jurastudium in Innsbruck fort und wurde 1920 zum Dr. jur. promoviert. Er war Mitglied verschiedener katholischer Studentenverbindungen.
Heinrich Gleißner begann seine berufliche Laufbahn im Amt der Oberösterreichischen Landesregierung.

Politische Karriere unter Dollfuß

1930 wurde der Jurist Direktor der oberösterreichischen Landwirtschaftskammer. Von 1933 bis 1934 war er Staatssekretär im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft.

Als Oberösterreich-Führer der „Vaterländischen Front“ war er ein Freund Engelbert Dollfuß’. Als der letzte demokratisch gewählte Landeshauptmann Josef Schlegel (christlich-sozial) sich dem Druck der Heimwehr und Dollfuß’ beugen musste, wurde aus dem Staatssekretär Gleißner 1934 der oberösterreichische Landeshauptmann im autoritären Ständestaat („Austrofaschismus“) und blieb es bis zum „Anschluss“ Österreichs an Hitlerdeutschland im Jahr 1938.

Verfolgung im Nationalsozialismus

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde Heinrich Gleißner als oberösterreichischer Landeshauptmann abgesetzt. Am 15. März 1938 wurde er verhaftet. Er verblieb mehrere Monate in Polizeihaft und im Konzentrationslager Dachau. Im September 1939 wurde er neuerlich verhaftet und kam ins Konzentrationslager Buchenwald. Nach seiner Entlassung wurde ihm und seiner Familie Berlin als Zwangsaufenthalt zugewiesen, da er „Gauverbot“ für „Oberdonau“ erhalten hatte. In Berlin hatte er Kontakt zum Widerstand.

Der Landeshauptmann mit der längsten Amtszeit

Nach der Wiederherstellung der Republik Österreich wurde Gleißner von 1945 bis 1971 abermals Oberösterreichischer Landeshauptmann.

1951 war er der Kandidat der ÖVP bei der Wahl des Bundespräsidenten, verlor diese aber überraschend und sehr knapp gegen Theodor Körner (SPÖ).

Heinrich Gleißner trug als Landeshauptmann von Oberösterreich maßgeblich zum wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Wiederaufbau Oberösterreichs nach dem Zweiten Weltkrieg und der Besatzungszeit bei. Er förderte den Wandel des Landes von einem Agrar- in einen Industriestandort maßgeblich. So förderte er den Wiederaufbau der Linzer Schwerindustrie.

In seine Amtszeit fällt die Gründung der Johannes Kepler Universität (1964) und der Aufbau zahlreicher Kultureinrichtungen wie dem Stifterhaus, den Landesausstellungen und dem Volksbildungswerk.

Am 2. Mai 1971 trat er von seinem Amt als Landeshauptmann zurück und ist damit bis heute der österreichische Landeshauptmann mit der längsten Amtszeit.

Tod und Grabstätte

Heinrich Gleißner starb am 18. Jänner 1984. Sein Grab befindet sich am St. Barbara Friedhof in Linz.

Heinrich-Gleißner-Haus und Denkmal

Das nach Heinrich Gleißner benannte Haus ist ein Gebäude an der Oberen Donaulände (Hausnummer 7) in Linz. Dort ist die OÖ. Parteizentrale der ÖVP untergebracht.

Das Heinrich Gleißner-Denkmal in Linz wurde von Franz Strahammer geschaffen. Es findet sich in Urfahr, in St. Magdalena.

Links und Quellen


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